Etappenlauf-Bericht vom FINAMA 2005

Staffellauf 4.Etappe

Ständig tauchen kleine, helle Insekten im Lichtkegel auf und fliegen mir ins Gesicht. Ich bin irritiert. Es dauert lange bis ich die Erklärung finde: es sind kleine Wassertropfen, die mir beim Ausatmen aus dem Mund fliegen.

Der bläuliche Schein der Stirnlampe wirkt leicht neblig und diesig. Er erzeugt eine unwirkliche, merkwürdige Atmosphäre. Ab und zu hebe ich etwas den Kopf um in die Ferne zu leuchten. Es ist stockdunkel und still, niemand vor mir, keiner hinter mir. Ich habe keine Uhr, Kilometerangaben gibt es nicht. Ich lausche meinem Atem und spüre meinen Puls. Zeit und Raum sind verschwunden. Mein Gefühl für die Laufdauer ist längst verloren. Der Rhythmus des Körpers bestimmt das Denken.

Plötzlich wie aus dem Nichts erscheint grell und taghell eine Verpflegungsstation. Ein Stromaggregat tuckert furchtbar laut. Verstärkt durch den Gegensatz der Eindrücke kommt mir die UFO-Landung in "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" in den Sinn. Kurz darauf tauche ich wieder ein in die Stille und Dunkelheit. War das Fischweier, Neuroth oder eine Station dazwischen. Vergeblich versuche ich mir die Streckenkarte in Erinnerung zu rufen. Ich verfalle wieder in den meditativen Zustand.

Ich muss schon über die Hälfte hinter mir haben. Plötzlich wird mir bewusst, dass mir heute das Laufen leicht fällt. Bei den Hitzeläufen in den Tagen davor, bin ich zweimal am Kanal eingebrochen. Ich hatte großen Respekt und etwas Angst vor dem Nachtlauf.

Es wird spürbar wärmer und dampfiger. Ettlingen taucht auf. Geschafft, denn ab jetzt kenne ich denn Weg. Das Ende erscheint nah. Eine gewisse Euphorie kommt auf.

 Am Friedhof wird mir bewusst, dass ich die kleine Steigung zuvor gar nicht richtig wahr genommen habe. Ich laufe wie ein Roboter und komme mir fast wie eine Maschine vor.

Kurz vorm Ziel überhole ich einen Läufer. Jetzt wäre ein Marathon drin, so muss es sein, kommt mir in den Sinn. Ich horche in mich, meine Beine sagen aber deutlich nein. Beim Zieleinlauf werde ich von jubelnden Gesichtern angestrahlt und ich spüre ein wohliges Gefühl durch den Körper strömen.

Epilog

Angeblich macht Laufen süchtig und die körpereigenen Drogen (Endorphine) sorgen während und kurz nach einem Ausdauersport für einen Rausch. Ich weiß es nicht und hätte es mit meiner bisherigen Lauferfahrung für mich verneint, aber den nächsten Nachtlauf kann ich kaum erwarten.

Viele Grüße

Christian Holzapfel