27. Internationaler Fidelitas-Nachtlauf am 25./ 26. Juni 2005  - Laufbericht

Inflationäre Zunahme der Ultra-Läufer beim LT Karlsruhe

                          

                          

Mehr aus unbedarfter Leichtfertigkeit als nach reiflicher Überlegung hatte ich mich im vergangenen Jahr ( nach der gelungenen Teilnahme in einer der 6 Staffeln des LT) quasi öffentlich geäußert, 2005 Albert nach zu eifern bzw. ihn zu begleiten.  Damals hatte er diese 80 km lange Strecke bereits zum 18. Male bewältigt. Einerseits erschien ein solches Unternehmen also absurd und irre(al) – andererseits jedoch auch machbar. Neben Alberts Vorbild und seinem ausgeklügelten und abwechslungsreichen Hügellauf – Trainingsprogramm konnte man zudem noch von seiner Erfahrung profitieren, muss er doch jedenfalls als Routinier auf dieser Strecke gelten.

Und um das gleich vorweg zu nehmen:  heute bin ich nicht  nur um dieses Erfolgserlebnis reicher, sondern auch um die Gewissheit, dass Albert in dieser Hinsicht ein echter „ Cool Man“ ist.  Gezielte und effiziente Vorbereitung; zuverlässiges und kontinuierliches Ergebnis.

Anwartschaft und Vorbereitung

Zuhause, also bei Annette hat mein Entschluss eigentlich nie wirkliche Begeisterung ausgelöst. Richtig eng wurde die Sache aber erst einige Wochen vor dem Ereignis, als sich die langen Trainingsstrecken regelmäßig nur am Sonntagmorgen bewältigen ließen. Irgendwann gab es dann die rote Karte …

Aber damit hier keine falschen Gerüchte aufkommen: Ich habe sicher mehr trainiert als Albert  oder Carsten (und garantiert weniger als Klaus), 60 – 80 KM pro Woche, davon je 35 an etwa 7 Sonntagen zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb.

Psychologisch gab es dazu die ganze Zeit noch einen wichtigen Anker.

Carsten und ich hatten beschlossen, es zusammen anzugehen, basierend auf den gemeinsamen Läufen in Freiburg, Amsterdam, Bellheim, beim Baden Marathon und den vielen gemeinsamen Trainingseinheiten. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Für mich nahezu unmerklich hatte sich in der Zwischenzeit  die Gesamtzahl der Aspiranten auf 5 erhöht: Albert Rentschler, Christa Hauck, Klaus Becker, Carsten Meißner, Detlef Gödecke.  Bei Alberts  Abschlusstraining am 15. Juni waren wir nahezu vollzählig bei einer der schönsten Strecken (Bernstein und Käppele ab Herrenalb).

Wie oft kreisten dann in den letzten Tagen die Gedanken um das Wetter. Ein unvermindertes Anhalten der Hitzewelle hätte die Belastung sicher noch einmal erhöht. Gerne habe ich mir die in Aussicht gestellten Regenwolken herbei gewünscht.

In der Woche vor dem Lauf habe ich eine gewisse Disziplin walten lassen:

§         Nicht mehr laufen, außer montags im Hardtwald

§         Viel trinken, 3 - 4 Liter täglich, gleich ab morgens, versetzt mit Magnesium, Calcium, Multivitamintabletten, …

§         Gesunde, abwechslungsreiche Ernährung: Obst, Gemüse, Milch, Nudeln

§         Mehr Schlaf als üblich, ca. 7 Stunden täglich

§         Keinen Alkohol, weniger Süßigkeiten

 

Der Grosse Tag, Start  und erste Etappe

10 Staffeln und 5 Einzelläufer, eine Rekordbeteiligung des LT Karlsruhe beim 27. Fidelitas Nachtlauf (Gruppenphoto vor dem Start)
Und schon geht es los – nur noch gut 79 KM!!
 
   

Himmel: bewölkt, mit sonnigen Abschnitten, später vereinzelt leichter Regen, die Gewitterneigung hatte sich auf den frühen Nachmittag beschränkt, Temperaturen: unter 30° - es hätte schlimmer kommen können.

Die 18,3 KM bis Grötzingen sind flach und unspektakulär.

Pünktlich um 19:00h erreichen Carsten und ich die 1. Wechselstelle. Albert und Christa sind etwa 10min. voraus und wo ist Klaus? Wir trinken Wasser und essen Melone (ob das mal gut geht?) dazu gibt es aufmunternde Worte von Ostsee – Thomas: wir sähen noch frisch aus …

Die 2. Etappe, wie viele Höhenmeter?

Gleich nach Grötzingen gingen wir unter die Walker. Das erste von vielen Malen, die noch folgen sollten. Eigentlich immer nur bei entsprechenden Steigungen, weil es die Kräfte schont und man bei unserem Trainingsstand laufend nur unwesentlich schneller wäre. Aber auch nach Verpflegungs- oder Wechselstellen lassen sich so kleine Verschnaufpausen einschieben. Das haben wir dann sehr ausgiebig in Jöhlingen ausprobiert. Hier war dann auch endgültig nichts mehr von Ulrike zu sehen, mit der wir gemeinsam in Grötzingen aufgebrochen waren.  Aber dieses Angebot an leckeren Sachen in Jöhlingen war wirklich unwiderstehlich, Malzbier & Rosinenzopf, absolut genial!

Dazu noch eine wunderschöne Abendstimmung mit mildem Sonnenlicht auf  sanften Bergrücken und der Blick in idyllische Täler.  Doch – bis KM 40 durchaus auch ein Genusslauf.

Und genau hierin sehe ich auch den Unterschied zum Marathon. Irgendwie empfindet man überhaupt keinen Stress – im Sinne von Zeitdruck. Hier mal ein Geh - Päuschen, da mal ordentlich verpflegen, die Marathonzeit wäre schon jenseits von gut und böse … na ja wer natürlich um die 6 h laufen will, hat sicher dieselben Probleme, nur etwa x2!

Vor KM 40 kam noch Mutschelbach, auch Albert und Christa haben dort die quasi Halbzeit gefeiert, sodass wir sie noch angetroffen haben. Ebenfalls dort sahen wir auch Annette, unser Begleitkommando, das erste Mal:  frische Socken,  frisches Shirt,  Müsliriegel, Powergel und die Stirnlampe für die beginnende Dunkelheit.

 

Die 3. Etappe, Momente der Wahrheit

Wenn man seinen inneren Schweinehund noch niemals vorher kennen gelernt hätte, so würde er sich dann auf dieser Etappe  zu einem unverhofften Antrittsbesuch melden. Nur so viel: Langensteinbach macht keinen Spaß! Auch wenn wir uns nicht verlaufen hätten und dadurch eine zusätzliche,  unnötige Steigung bewältigt hätten, der Zickzackkurs durch das Wohngebiet zu nächtlicher Stunde erschien mir als üble Schikane.  Der Treibstoff in dieser Phase war pures Adrenalin. An der Station Langensteinbach – Feuerwehr trafen wir auf Klaus. Carsten und ich starteten vor ihm und liefen noch vor dem Tornadostein auf Christa auf. Im nächtlichen Wald ergab sich damit eine neue Konstellation, Christa und Carsten liefen nun gemeinsam weiter, während ich  versucht habe zu Albert aufzuschließen.

Langenalb, Beginn der Schlussetappe

In Langenalb traf ich Albert tatsächlich. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, endlich hier anzukommen, nur noch 23,6 KM – bergab, auf bekannten Pfaden. Leider konnte ich nur bis Marxzell mit Albert laufen. Wegen Durchfall saß ich 15min auf der Toilette im Bistro Bijou, einer Spielhölle und Spelunke (das war vermutlich der Grund, warum sie zu dieser Nachtzeit, gg. 01:00h überhaupt noch geöffnet hatten), aber das Klo war sauber. Albert war wieder voraus, meine Super-Dioden-Stirnlampe zur Funzel degeneriert und es ging im Blindflug Richtung Ettlingen. Erfreulicherweise war es nicht völlig dunkel. Der Weg  zeichnete sich meistens hellgrau gegen die umgebende Dunkelheit ab. Fischweier, Neuroth – kein Albert.

Endspurt ab Ettlingen

In Ettlingen am Schwimmbad saß Albert im Zelt und versorgte seine Taschenlampe.

Nach kurzer Stärkung ging es schwerfällig weiter durch die Stadt und dann kommt da noch eine Steigung … nur eine kleine … aber wir wurden wieder Walker … Die schmerzende Prozedur des Wieder-in-Gang-kommen-Müssens wiederholte sich ein letztes Mal an der Hedwigsquelle – die letzten 3,7 KM. Albert sprach über die anderen Male seiner Zielankunft in der Regel oder eigentlich immer allein. Er sprach auch über das 20. Mal. Ich war froh, nicht allein zu sein. Gedanken an das kommende Jahr empfinde ich keinesfalls als abwegig … das scheint mir ein gutes Zeichen …

Auch Christa, Carsten und Klaus waren nicht allein unterwegs. Es tat gut, sie als Trio ins Ziel kommen zu sehen.  Ein gelungenes Debüt für die NEUEN ULTRAS des LT – und der Alt-Meister hat seine Domäne verteidigt.

Zur massenweisen Nachahmung mit gewisser Vorsicht empfohlen.

Euer Detlef

 

Statistik:

Kalorienverbrauch: ca. 7.400; Gewichtsverlust: ca. 5,4 kg; Zeit: 10:06h;

Durchschnittliche Herzfrequenz: 141