Bericht vom Funkturmlauf des SC Wettersbach über 11,11km am  03.08.02


Hallo Leute,

„An alle Hügellaufspezialisten und die es noch werden wollen !!!..." so lautete also  die freundliche Einladung von Harald, an alle LTK-ler, doch mal bei einem "Laufwettbewerb der besonderen Art" mitzumachen.
Kurze Vorgeschichte zu meiner „Laufkarriere" beim LTK:
Nachdem mir das „Fest" in der Günther-Klotz-Anlage etwas zu Kopf gestiegen war (Kater von Bier, Sonne und Sound), folgte ich kurzentschlossen und ziemlich ahnungslos am Samstagnachmittag bei brütender Hitze dem Lockruf von Haralds E-Mail, bei einem Hügellauf in herrlicher Landschaft mitzumachen. Die Strecke sollte ca. 10 km betragen. Ihr wisst sicher alle, was das heißt, wenn Harald 10 km plant? Aber er hat wie immer Wort gehalten und auf mich, die Rennschnecke und damit die langsamste Läuferin, Rücksicht genommen.
Außer Harald waren Mani, dessen Schwester aus Bonn, Thomas, Karsten und Klaudia mit von der Partie. Die absoluten Langsteckenläufer Klaudia, Karsten, und Mani verließen uns auf halber Stecke und zogen es vor nach Karlsruhe zu laufen. Der Rest der Truppe musste „wohl oder übel" zurück zu den Autos.
Diese ganze Vorgeschichte ist nur in sofern interessant, um zu erfahren, dass es mein erster Lauf über eine so lange Strecke war, nachdem ich erst wenige Wochen vorher als Rennschnecke beim LTK angefangen hatte. Haralds Fazit: „Aufgrund der hervorragenden, ausdauernden Leistung, die du bei unserem letzten Hügellauf an den Tag gelegt hast, denke ich, wäre es einmal interessant für dich, an so einem Wettbewerb teilzunehmen. Voraussichtlich werden 3-4 Läufer von unserem LT teilnehmen und vielleicht wird Thomas Schmidt die Strecke mit dir zusammen 
laufen."
Also, auf zu neuen Ufern. Diesen Spaß wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, da ich noch nie an einem Laufwettbewerb teilgenommen hatte.
Wie immer war die Organisation von Harald spitze! Treffpunkt am „Traktor". Mitfahrgelegenheit nach Hohenwettersbach. Anmeldung unter dem „LT-Karlsruhe" und nach einer netten Photosession eine kleine Runde unter Thomas Aufsicht zum Warmlaufen. Thomas konnte es irgendwie nicht fassen, dass ich mir etwas albern vorkam bei einem Laufwettbewerb für Hügelspezialisten teilzunehmen.
Aber: Positive Motivation ist alles. Es starteten für den LTK: Rosi, Harald, Brian, Thomas, Ralf und ich. Thomas hatte sich tatsächlich bereit erklärt, mit mir zu laufen (da er scheinbar etwas erkältet war :-).
Am Start waren ca. 120 LäuferInnen aller Altersklassen. Die Jüngste war 13, der Älteste über 80. Das Fiese an der Strecke war, dass die schlimmste Steigung ziemlich am Anfang lag. Aber was macht das schon, wenn man in netter Gesellschaft läuft (Schnauf, Röchel :-( )?! Dennoch verlor ich ziemlich an Boden. Brian, schloss sich, da ich wirklich schwer kämpfen musste und keine Puste mehr für nette Unterhaltung hatte Rosi an, die ein ganzes Stück voraus war. Thomas lief den Berg rückwärts hoch (was angeblich gut für die Wadenmuskulatur ist) und gab mir ein paar Ratschläge 
für eine bessere Atemtechnik (da er wahrscheinlich befürchten musste, dass ich sonst im nächsten Augenblick wegen Hyperventilation ohnmächtig zu Boden sinken würde.)
Aber als ich diesen furchtbar anstrengende Hügel hinter mir hatte, spürte ich, dass meine Muskeln warm waren. Dann ging es zur Belohnung auch etwas bergab, und ich hatte das Gefühl, dass mich meine Beine fast wie von selbst trugen. Und nun waren auch Rosi und Brian wieder in Sicht, die sich beim Laufen nebenbei noch nett unterhielten. Von Harald keine Spur! Der war wohl ein deutliches Stück voraus. Wir näherten uns langsam dem Wendepunkt beim Funkturm, wo kühles Wasser zur Erfrischung gereicht wurde. Nun machte ich die Erfahrung, wie schwierig es ist, beim Laufen einen Schluck kaltes Wasser zu trinken! Ich beschloss, dass Mundausspülen reichen muss, goss einen Teil zur Erfrischung über die Hände und kühlte mir damit das Gesicht. Nach jedem Kilometer informierte mich Thomas kurz über unsere Druchschnittsgeschwindigkeit, immer mit einem aufmunternden Lächeln und netten Kommentaren auf den Lippen: „super, wir sind echt gut, superschnell, trotz Steigung...". 
Als wir schließlich bei Kilometer 6 angelangt waren, meinte er: „Mensch, schon mehr als die Hälfte geschafft". Da kam ich in Schwung. Ich fühlte mich gut und hatte das Gefühl, dass ich locker noch einen Zahn zulegen könnte. Und los ging's! 
Wir überholten tatsächlich auch einige Läufer und näherten uns einem „Leichtathletik-Damengespann" aus der Pfalz. Das steigerte meinen Ehrgeiz, denn die beiden legten ein ordentliches Tempo vor. Thomas meinte auch: „Die schaffen wir". Leider trennten sich die beiden und wir überholten nur die Langsamere.
Als wir am Hang, an dem ich anfangs bergauf so zu kämpfen hatte, angelangt waren, legten wir den „Leerlauf" ein und ließen uns ungebremst von unseren Beinen bergab tragen. Thomas Devise lautete: „Einfach locker bleiben." Das half. Unten angekommen wurden wir sicher über die Straße gelost und bei der Abzweigung zum Friedhof und damit zur letzten, aber auch längsten Steigung, wie schon an anderen Stellen, von Zuschauern mit Beifall und Hopp-Hopp-Rufen angefeuert.
So nun hieß es Zähne zusammenbeißen. Die Steigung wollte einfach kein Ende nehmen!! Trotzdem konnten wir auch auf diesem Stück noch ein paar Läufer überholen. Endlich waren wir oben am Feld über den Sportanlagen des SC-Wettersbach angelangt und somit beinahe im Ziel. Wir hatten nur noch die Zielgerade vor uns, die leicht bergab direkt ins Stadion führte. Also legten wir nochmals an Tempo zu und sprinteten zwischen den Hecken hindurch ins vermeintliche Ziel, wo uns Harald schon erwartete und nochmals kräftig anfeuerte!
Aber...oh Schreck!! Man musste noch um den halben Fußballplatz laufen, bevor man das Ziel endgültig erreicht hatte. Das war nach meinem Geschmack zu viel verlangt –ich wollte es erst gar nicht glauben! Na, dann eben doch nochmals das Tempo drosseln und „gemütlich" auslaufen. Ich konnte mich auf den letzten Metern einfach nicht mehr zusammenraufen. Ich hörte meinen Namen über den Lautsprecher, dann die Zielgerade...Geschafft!!
Wer hätte das geglaubt, das ich eine solche Strecke laufen kann? Wenn mir vor zwei Monaten jemand gesagt hätte, dass ich an einem Laufwettbewerb der besonderen Art über 11,11 km mitmachen würde, hätte ich ihn getrost für verrückt erklärt. Irgendwie war es das auch, aber dennoch unbeschreiblich schön. Es ist ein unglaubliches Gefühl, durchgehalten zu haben bis zum Schluss. Ich möchte allen Rennschnecken empfehlen, mal bei so einem Wettbewerb mitzumachen. Es lohnt sich!
An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei Thomas dafür bedanken, dass er mich „gezogen" hat und bei Harald, dass er mich überredet hat, überhaupt mitzumachen und ständig um mein/unser Wohl besorgt war. Es war für eine ungeübte Läuferin wie mich ein wahnsinnig tolles Erlebnis, das mich ungeheuer ermutigt, weiter zu machen (auch wenn Thomas zwischendurch, wenn ich auf seine aufmunternden Späße nicht mehr geantwortet habe, befürchtete, dass ich nach diesem Lauf vielleicht nie wieder zum Lauftreff kommen würde).
Die Ergebnisse könnt ihr unter www.laufinfo.de nachlesen.


Gruß Gabi

 

Die Gruppe mit tierischem Trainer (Autorin stehend ganz rechts) Die Läuferschar prescht los ...
... die Lauftreffler in Anfangsformation ... ... ein wenig später auf den letzten Metern (Thomas im Windschatten von Gabi) ...
... bis zur Erlösung im Ziel