RLT - Ultramarathon in Rodgau - Dudenhofen 27.01.2007

-        50 Kilometer in 10 Runden-

Anfang Januar traf ich auf meiner morgendlichen Runde im Hardtwald Dieter Sanitz, den ich auf dem Fidelitas Nachtlauf kennen gelernt hatte. Wir unterhielten uns über unsere läuferischen Pläne für das neue Jahr.

Dieter erzählte, er habe vor am 27. Januar in Rodgau bei Frankfurt einen 50 km – Ultralauf zu laufen. Er meinte, das sei doch auch genau das Richtige für mich. Ich schaute ihn zuerst skeptisch an, besonders als er sagte, dass der Lauf auf einer 5 km – Runde ausgetragen würde und man noch dazu seine Runden selber zählen müsse. Das sei kein Problem mit dem Zählen, mit einem Blick auf die Uhr könne man die gelaufene Rundenzahl gut abschätzen und ich werde sehen, dass diese kleinen Runden ihre Vorzüge haben. Als er noch anbot mich mitzunehmen nach Rodgau war ich schon überredet.

Eine Woche vor dem Lauf meldete ich mich bei Dieter um alles zu regeln. Leider gab es schlechte Nachrichten: Er könne voraussichtlich nicht mitlaufen, da er Probleme mit der Achillessehne habe. Also tat ich einen Blick in die Meldeliste und siehe da, wie gedacht, Heiko Ludwig von memler.de war auch gemeldet. Ein Anruf: „Natürlich kannst du mitfahren!“ „Danke, lieber Heiko!“

Zweifel kamen nochmals auf, als es im Laufe der Woche heftig zu schneien anfing und auf den Autobahnen das Chaos ausbrach. Wie würden die Streckenverhältnisse sein? Heiko sagte er würde auf jeden Fall fahren, also einigten wir uns darauf, sehr früh abzufahren.

Pünktlich um 6.45 Uhr am Samstag ging es los. Es hatte in der Nacht nochmals leicht geschneit und die Straßen in der Stadt waren glatt. Die Autobahn war aber frei und je weiter wir in Richtung Frankfurt kamen, umso weniger wurde der Schnee.

Um 8 Uhr kamen wir in Rodgau – Dudenhofen an. Obwohl es noch zwei Stunden bis zum Start dauern würde, war auf dem Parkplatz schon reger Betrieb: Autos voller Läufer aus allen Richtungen, z.T. von weit her (Berlin!).

Überschwängliche Begrüßungen, bekannte Gesichter.

Noch war es glatt und wir schlitterten zur Startnummernausgabe. Alles war reibungslos organisiert, sodass wir schnell unsere Unterlagen hatten und es uns in der überfüllten Tennishalle „gemütlich“ machen konnten. Jetzt hieß es die Kohlehydratspeicher auffüllen und sich Gedanken über die Kleiderfrage zu machen. Ein Langarmshirt oder zwei, Jacke oder nicht,…

Um 9.30 Uhr machten wir uns auf den 1 km langen Weg zur Strecke. Noch war die Landschaft weiß überzuckert und es war kalt, eiskalt!

Die Atmosphäre am Start war locker und entspannt. Dank bip – chip – Zeitmessung (Startnummer mit integriertem Chip hatte es niemand eilig, niemand drängelte und man trabte locker hin und her um sich warm

zu halten.

Meine Vorbehalte (10 Runden, selbst zählen) verflüchtigten sich und ich freute mich nur noch darauf, endlich los zu laufen.

Um 10.02 fiel der Startschuss und die Läuferschlange aus ca. 800 Teilnehmern setzte sich in Bewegung. Jetzt bloß nicht zu schnell sein! Da es im Startbereich aber recht eng war erübrigte sich das von selbst. Nach einem kurzen Stück Wald bogen wir aufs freie Feld ein. Der führende Läufer, Stanislav aus der Ukraine, hatte sich schon rund 200m von seinen Verfolgern abgesetzt und eilte seinem sicheren Sieg entgegen.

Ich versuchte meinen Rhythmus und mein Tempo (geplant waren 5.30 / km) zu finden. Gleich in der ersten Runde lernte ich Birgit aus Pirmasens kennen, wir einigten uns darauf, dass wir wohl so um die 5.30/ km liegen müssten. Birgit entpuppte sich als Spitzenultraläuferin (80 km in 7 h 30 min), die es heute aber „gemütlich“ angehen lassen wolle, da sie eine Erkältung ausbrüte.

Beim Durchlaufen des Start – Zielbereichs stand die Uhr auf 27.14 min. Das Tempo stimmte. Die Sonne kam heraus und die Landschaft sah wunderschön aus. Schon kamen Gedanken wie: Bin ich doch zu warm angezogen?

Aber es ging mir gut und der Gedanke an die nächsten 8 Runden konnte mich nicht schrecken.

Bei Kilometer 8 kam Heiko von hinten angeprescht und sauste mit großen Schritten an mir vorbei. Birgit unterhielt mich mit abenteuerlichen Schilderungen aus dem Leben einer Ultraläuferin (Trainingsumfang 150 – 200 km/ Woche), so dass die ersten Runden schnell vergingen. Das Wetter war mittlerweile wieder schlechter geworden, es regnete leicht und es wehte ein kalter Wind.

Inzwischen mischte sich die Läuferschar, Stanislav überrundete zum ersten Mal. Später holten wir die ersten langsamen Läufer ein und überrundeten ebenfalls.

Die Zwischenstände waren wie geplant: Km 10 – 55 min; Km15 – 1.21 h; Km20 – 1.46 h; Km 25 – 2.11 h; Km 30 – 2.36 h.

In der 6. Runde verließ mich Birgit, sie müsse jetzt langsamer machen, sonst liege sie die nächste Woche flach.

Genau als ich den Zielbereich zum 7. Mal durchlief (Km 35) beendete Stanislav gerade sein Rennen in der unglaublichen Zeit von 3.08 Stunden und ich hatte noch 15 km vor mir!

Ab der 9. Runde wurde es schwer. Der Körper stellte um auf Fettverbrennung, mir wurde schwindlig und die Beine fingen an zu schmerzen. Bei Km 42 zeigte meine Uhr 3 h 48 min, aber mittlerweile war mir das egal geworden. Jetzt hieß es beißen und das Hauptziel hieß ankommen. Die Rettung war ein Becher Cola am Versorgungsstand bevor ich in die letzte Runde ging. Die Lebensgeister erwachten wieder! Gleich habe ich es geschafft! Nur noch die Kurve, das Feld, das Waldstück, die kleine Wendeschleife, das Feld, der Wald, das Ziel!!!

Und die Zeit? Die stimmte auch: 4 Stunden 32 Minuten.

Heiko war schon seit 6 min da: „Was, du kommst auch schon!“ Nach einer kurzen Stärkung machten wir uns mit schmerzenden Beinen auf den „langen“ Rückweg zur Tennishalle, während andere Läufer in ihre letzte, vorletzte oder…Runde gingen.

Nach dem Duschen bejubelten wir noch Stanislav bei der Siegerehrung, der jedoch ein wenig enttäuscht war, weil er den von ihm selbst aufgestellten Streckenrekord nicht gebrochen hatte.

Zufrieden machten wir uns auf den langen Heimweg.

Fazit:

Sehr zu empfehlen – unterhaltsam – kurzweilig – prima organisiert und noch dazu preiswert (Startgebühr 22 Euro, inklusive Chip, kostenloser Turnhallenübernachtung kostenlosem Frühstück und Interneturkunde mit Zwischenzeiten)

Besonders für Langstreckenneulinge zu empfehlen, da man nach jeder Runde aussteigen kann und trotzdem eine Urkunde mit der gelaufenen Zeit bekommt.

Vielleicht findet sich ja das nächste Jahr der eine oder die andere, der/ die mich begleitet. Wie wär´s Rainer, Uwe, Ulrike, Christine oder …?

 

Es grüßt alle LT´ler,

 

Monika