Hallo liebe Läuferinnen und Läufer und alle die es werden wollen!

Zuerst möchte ich mich denen vorstellen, die mich nicht kennen. Mein Name ist Andrea Winter, ich bin 28 Jahre alt, lebe seit zweieinhalb Jahren in Karlsruhe und arbeite als OP- Schwester. Mit dem Laufen habe ich vor 4 Jahren begonnen, allerdings habe ich nach meinem Umzug hierher, für eineinhalb Jahre das Laufen aufgegeben. Jedoch im letzten Frühling habe ich wieder mit dem Laufen angefangen. Mein Wochenpensum waren zu dieser Zeit etwa 25 km. In einer Laufgruppe wäre ich auch zu dieser Zeit schon sehr gerne mitgelaufen, aber das Vertrauen in meine läuferische Leistungsfähigkeit war damals nicht sehr hoch und ich fürchtete mich zu blamieren. Im Sommer des letzten Jahres lernte ich dann Aliki Martin kennen. Sie absolvierte ein Praktikum in unserem OP. Aliki berichtete mir, sie laufe öfters mit dem Lauftreff und das wäre auch für nicht so gut trainierte Läufer kein Problem, denn es gäbe auch eine " langsame" Gruppe. Und so kam es dann, daß ich Aliki zum Lauftreff begleitete und feststellte, daß meine Leistungen doch nicht so schlecht waren, wie ich angenommen hatte. In der " langsamen" Gruppe war ich unterfordert und lief dann in der 10km Gruppe mit. Ziemlich bald konnte ich dann 14km und bald auch 16km laufen. Doch im Herbst machte mir eine Gastritis ziemlich Probleme und ich mußte meine Wochenkilometer reduzieren. Seit ich wieder gesund bin, laufe ich 3- 4 mal pro Woche. Wenn ich es mit meinen Dienstzeiten vereinbaren kann, gehe ich sehr gerne mit dem Lauftreff trainieren, denn in der Gruppe fällt es mir leichter und es macht mehr Spaß.
Da ich in der Zeit bis zum Jahresende fleißig trainiert hatte und mir schon einige Mitläufer berichtet hatten, wie viel Freude es einem bereiten würde, seine Leistung in einem offiziellen Lauf unter Beweis zu stellen, hatte ich mich entschlossen am Silvesterlauf in Forchheim teilzunehmen. Allerdings wollte ich nicht alleine laufen und Harald erklärte sich bereit, den Lauf mit mir zu bestreiten. Darüber war ich sehr froh. 
Am Tag des Laufes, dem 29. Dezember. 02, war ich unendlich aufgeregt und bereute meine Entscheidung schon fast, eine Teilnehmerin des 10 km Silvesterlaufes in Forchheim zu sein. Um 12.30h trafen Klaudia, Harald und ich uns an der Europahalle, um von da aus nach Forchheim zu fahren. Klaudia war ebenfalls sehr nervös, obwohl sie eine sehr gute Läuferin ist und erklärte mir, daß wäre ganz normal und gehöre dazu. Für mich war diese Nervosität furchtbar und ich wäre am liebsten wieder nach Hause gefahren. Aber ich hatte mich entschlossen und mußte nun wohl auch starten. Harald war im Gegensatz zu uns beiden ganz ruhig und brachte uns sicher nach Forchheim. Zuerst mußten wir uns noch nachmelden, ich bekam die Startnummer 468. Es war ein ganz komisches Gefühl, denn ich war zuletzt als Schulkind mit einer Startnummer gelaufen. Bis zum Beginn des Laufes hatten wir noch fast eine Stunde Zeit, somit beschlossen wir uns noch ein wenig zusammenzusetzen, bevor wir uns für den Lauf vorbereiteten. Gegen 13.30h trennten wir uns dann von Harald und gingen zum Umziehen. Da das Wetter kalt und sehr regnerisch war, hatte ich mich entschlossen, meine Laufjacke doch zu tragen und befestigte meine Startnummer gut sichtbar über dem Reißverschluß. Keine so gute Idee, wie sich während des Laufes herausstellte. Um 13.40h gingen Harald und ich zum Warmlaufen. Diese Zeit nutzte Harald, um mit mir unsere Taktik für den Lauf zu besprechen und mir noch ein paar Tipps zu geben. Nach dem Einlaufen war all die furchtbare Nervosität wie weggeblasen und ich konnte endlich wieder normal und objektiv denken. 
Etwa 5min vor dem Start begaben wir uns dann an den diesen. Das Starterfeld war riesig für mich und ich konnte mir nicht vorstellen, wie all diese Massen Platz zum laufen finden sollten. Pünktlich um 14h wurde dann der Lauf gestartet und das riesige Läuferfeld setzte sich mühsam in Bewegung. Ich startete in einem für mich relativ hohem Tempo und konnte mich gut zwischen den Massen hindurchschlängeln. Nach etwa 1km war das Läuferfeld schon sehr auseinander gezogen und mein Laufen ähnelte nun doch keinem Slalom mehr. Bei Kilometer 2 angekommen, wir liefen einen Schnitt unter 5min, viel zu schnell für meinen Trainingsstand, empfahl mir Harald das Tempo etwas zu drosseln, was ich auch tat. Im Schnitt von 5min/ km liefen wir dann weiter. Der Untergrund war teilweise sehr matschig und es erinnerte mich an Crossläufe aus meiner Schulzeit. Zudem regnete es und von schönem Laufwetter konnte man wirklich nicht sprechen. Bis zu km 5 lief es echt gut, dieses Tempo war ich zwar nicht gewohnt, aber ich konnte einen guten Laufrhythmus finden und Harald war ja auch da und motivierte mich. Zwischen Kilometer 5 und 6 wurde mir meine Jacke dann doch zu warm und nun mußte ich meine so sorgfältig über dem Reißverschluß platzierte Startnummer abbauen und bloß nicht verlieren. Wohin nun mit der lästig gewordenen Jacke, umbinden mochte ich sie nicht, als Knäuel tragen war auch sehr unpraktisch und zum guten Schluß hat sie dann Harald ins Ziel getragen. Aber bis zum Ziel waren es dann doch noch gut 4km. Eigentlich nicht viel denkt man, aber so bißchen kaputt war ich schon da. Also habe ich einfach versucht meinen Rhythmus und mein Tempo Kilometer für Kilometer zu halten. Ab Kilometer 8 fühlte ich mich mental besser, in meinem Kopf war ich bald am Ziel, aber körperlich war ich schon da erledigt. Zum Glück habe ich schon öfter zuvor härtere Abschlußphasen eines Laufes erlebt und wußte, daß ich noch einiges an Kräften mobilisieren kann. Das war auch echt nötig, denn etwa bei Kilometer 9,5 mußte man eine kleine Anhöhe erklimmen. Kein langer Anstieg aber doch steil. Harald ließ mich ziehen und ich war für jeden Berg dankbar, den ich mir bis dato angetan hatte. Nun begann die für mich anstrengendste Phase dieses Laufes: einerseits war ich total fertig und wäre am liebsten stehen geblieben, aber ich wußte, meine Zeit ist viel besser, als ich erwartet hatte, und ich wollte doch das Beste aus dem Lauf machen. Und dies bedeutete für mich, so schnell wie irgend möglich ins Ziel, bloß wo ist das? Die Sekunden vergingen und der Zieleinlauf immer noch nicht in Sicht und ich kannte die Gegend nicht, so daß ich mich hätte orientieren können. Also erklärte ich mir zur Devise einfach zu laufen, irgendwann ist es auch vorbei - umso schneller umso früher. Kurz vor dem Zieleinlauf war dann auch Harald wieder an meiner Seite und wir konnten gemeinsam zwischen den Anfeuerungsrufen des Publikums ins Ziel einlaufen. Schreckliche Sekunden gab´s da auch noch mal, der Scanner funktionierte nicht gleich. Ich war am Ende mit meinen Kräften und war einfach nur froh es hinter mich gebracht zu haben, doch Harald mahnte den Tag danach und wir gingen ein wenig auslaufen. So langsam kam ich auch wieder zu Atem und konnte mich bei Harald für die Laufbegleitung, sowie die Motivation während des Laufes bedanken, was ich auch heute nochmals an dieser Stelle tun möchte. Ohne den Lauftreff hätte ich nie eine solche Leistung geschafft und ohne Haralds Begleitung wäre ich nicht einmal gestartet.
Später trafen wir dann Klaudia wieder, sie war lange vor uns im Ziel eingelaufen. Klaudia war die beste Läuferin und wollte verständlicherweise an der Siegerehrung teilnehmen. Mir war einfach nur kalt und ich wollte nach Hause. Meine Zeit hätte ich zwar gerne gewußt, aber die konnte ich auch über das Internet erfahren. So machten Harald und ich uns wieder auf den Heimweg nach Karlsruhe. Zu Hause gönnte ich mir dann ein heißes Bad, doch wie so oft wird man da vom Telefon gestört, auch an diesem erlebnisreichen Sonntag war es so. Es war Klaudia, sie teilte mir mit, ich wäre in einer Zeit von 51:01min Zweite in meiner Altersklasse geworden. Glauben konnte ich das nicht gleich, bestimmt ist da etwas falsch gelaufen. Aber es war so und ich war echt überrascht von meiner Zeit. Ich hatte mir einen Lauf um die 55min zugetraut. Nun sind schon einige Wochen seitdem vorbei und der Trainingsalltag ist wieder eingekehrt mit Schnee, Regen und Kälte und wenn ich mal keine Lust auf Laufen habe, denke ich an diesen Lauf und motiviere mich so, denn der Frühling kommt mit vielen schönen Läufen, an welchen ich teilnehmen möchte.

Vielen Dank nochmals an Harald, aber auch an alle Läuferinnen und Läufer mit denen ich so viele Trainingskilometer absolviert habe

Eure Andrea