Bericht vom KuSuH-Ultratrail 100 Meilen

es hat tatsächlich wieder geklappt :-), obwohl ich auch diesmal wieder völlig unbelastet und ohne mir Druck zu machen am Start stand. Allerdings "musste" ich den Stein diesmal nicht mit nach Hause nehmen, da ich mir den ersten Platz mit meiner Lauffreundin Petra Scheunemann aus Wiesbaden teile, mit der ich im April schon den JUNUT gemeinsam gefinished habe. Natürlich durfte sie ihn mitnehmen.

Die Strecke war diesmal wirklich ein Meisterstück des Ultratrails. So gut wie kein Asphalt, nur wenige Abschnitte Forstwege, meist kleine Pfade, Wiesenwege, Querfeldeinstücke durch holperige Äcker und Wald, Wildschweinpfade und extrem unwegsame Abschnitte wechselten sich ab. Höhenmeter kamen natürlich auch sehr viele zusammen, man sagt so ca. 4500 seien es gewesen, jedenfalls wurde wohl jeder Hügel mindestens einmal mitgenommen, zur Abwechslung durfte man gelegentlich gerne mal die Hände benutzen um hinauf, oder den Hintern um hinab zu kommen. Zweimal ging es durch den Bach, natürlich an einer Stelle wo es unmöglich war trockenen Fußes hinüber zu kommen. Dabei bestand die eigentliche Herausforderung allerdings erst einmal darin, hinunter ans Wasser und auf der anderen Seite wieder hinauf zu kommen.
Wolfgang Höfle, dem Veranstalter, war es aber darüber hinaus gelungen, nicht nur so viele technische Schwierigkeiten wie möglich einzubauen, sondern den Läufern auch die Schönheit der Landschaft zu zeigen. Es gab einige Stellen, da konnte man nicht anders als kurz stehenzubleiben um einfach mal zu genießen und zu staunen. Ganz besonders ist immer der Zeitpunkt, wenn nach der langen Nacht der Himmel heller wird und schließlich die Sonne aufgeht. In solchen Momenten weiß ich dann immer wieder ganz klar, wofür die Strapazen gut sind.

Die erste Streckenhälfte lief ziemlich gut und ich kam schneller voran als erwartet. Es hat alles gepasst. Das Wetter war herrlich und ich hatte immer nette Mitläufer, so dass die Zeit nur so verflog. Für die zweite Hälfte durfte man einen Pacemaker einsetzen. Gerhard Müller vom LT wartete bereits an der 5. Verpflegungsstelle (Meile 49,7) in Sternenfels, um mich durch die Nacht und bis ins Ziel zu begleiten. Auf den ersten Kilometern war das Gelände so unwegsam, dass wir nur sehr langsam vorankamen und er wohl dachte, das werde eine lustige Wanderung ;-) Das sollte sich dann aber bald ändern.

Gemeinsam liefen wir in die Nacht hinein, meist in einem Grüppchen mit anderen Teilnehmern. Die Stimmung war gut, bis irgendwann die Hiobsbotschaft durchsickerte, dass es in dem Bezirk rund um den Baiselsberg massive Probleme gäbe. Der zuständige Förster hatte die Mountainbiker beim Markieren gesehen und stellte sich quer. Es kam zu einem massiven Streit zwischen ihm und den Bikern, der damit endete, dass der Förster damit drohte den Lauf zu sabotieren. Bei einer späteren Kontrolltour stellte sich heraus, dass auf einem größeren Abschnitt tatsächlich die Markierung komplett entfernt worden war. Zum Nachmarkieren war keine Zeit mehr und man fürchtete auch um die Sicherheit der Läufer. Nun war guter Rat teuer, verschiedene Möglichkeiten wurden durchdacht, selbst ein Abbruch des Rennens wurde diskutiert. Schließlich bediente man sich bei der Formel 1, die Läufer sollten ab der 7. Verpflegung grüppchenweise in gleichem Tempo die kritischen 10km laufen, jeder Gruppe wurde mindestens ein Läufer zugeteilt, der die Strecke kannte, Safety-Car-Phase eben ;-) Danach ging das Rennen normal weiter.

Gerhard ließ sich von meinen Hochs und Tiefs nicht beirren und blieb geduldig bei mir, auch wenn das mit Sicherheit auch für ihn nicht immer einfach war. Es war ein gutes Gefühl, ihn in meiner Nähe zu wissen, das gab Sicherheit in der Nacht und bei der Orientierung, wenn irgendwann nach Stunden und Stunden des Laufens das Hirn nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Was auch dazu führen kann, dass man vergisst, dem Pacer Bescheid zu geben, wenn man an der Verpflegung weiterläuft, oh je, hi, hi ;-)

Mit Sicherheit hat er aber dann auch unseren gemeinsamen Zieleinlauf am Sonntagmorgen sehr genossen. Zu dritt nebeneinander, links Petra, in der Mitte Gerhard und rechts ich, haben wir demonstrativ gleichzeitig unsere Füße über die Türschwelle der Schwabenhalle des SV Oberderdingen gesetzt und wurden vom KuSuH-Chef Wolfgang Höfle herzlich empfangen.

Wir haben die Frauenwertung gemeinsam gewonnen (von 5 Frauen), sind gesamt 6. von 18 Finishern (31 Starter) geworden und waren mit 26:50h gerade mal 20 min langsamer als die schnellsten beiden Männer :-) :-) Allerdings hätte es für mich keinen Kilometer mehr länger sein dürfen!

Ganz herzliche Grüße und bis bald beim Laufen,

Monika