„Der Oberwaldlauf eines Ü 50“      

 

Nachdem ich vor ca. 25 Jahren zum letzten Mal regelmäßig an einem Lauftreff teilnahm, entschloss ich mich im Sommer dieses Jahres erneut einen Lauftreff in Karlsruhe zu suchen. Mit Internet und Google bin  ich schnell fündig geworden und hatte ca.5 Lauftreffs zur Auswahl. Der LT Karlsruhe hat mich am meisten angesprochen. Die (Gruppen-) Fotos im Internet, die „Rennschnecken“ und der Treffpunkt im Hardtwald haben mich ganz neugiierig gemacht. Auf einem unserer mittwöchentlichen Lauftreffs erfuhr ich vom Oberwaldlauf. Da sich der Oberwald ganz in meiner Nähe (Südstadt) befindet habe ich mich ohne zu Zögern angemeldet.

 

Um die genaue Strecke kennnen zu lernen und meine Zeit einschätzen zu können, nahm ich noch an den von Harald und André organisierten Trainingsläufen teil. Das Tempo dort erschien mir anfangs etwas zu langsam, am Schluss hatte ich jedoch Mühe mit zu halten. Wie wird das wohl beim Oberwaldlauf werden ? Lasse ich mich durch eine gute Stimmung dazu verführen schnell los zu laufen um dann am Schluss nur mit Mühe ins Ziel zu kommen ? Dies will ich auf jeden Fall verhindern. Mein oberstes Ziel ist es konstant durch zu laufen. Die Zeit ist für mich zweitrangig. Als Orientierung habe ich 57 min, die Zeit die ich bei den Trainingsläufen in etwa gelaufen bin.

 

Am Samstag radle ich mit meiner Sporttasche auf dem Gepäckträger gegen 12 Uhr (viel zu früh) in Richtung Oberwald los. Das Wetter ist sonnig aber wesentlich kälter als bei den Vorbereitungsläufen. Gedanken schiessen mir durch den Kopf was ich am besten anziehen soll. Ich habe leichte und warme Kleidung dabei. Als ich in den Oberwald komme, sehe ich schon die vorbildliche Markierung und die Kilometrierung. Ich freue mich auf den Lauf ! Am Vereinsheim des TuS Rüpurr angekommen erkundige ich mich nach der Eichelgartenhalle (Startnummernausgabe und Umkleiden). Es sind noch nicht viele Leute hier. Man sieht aber dass ein Lauf stattfindet. Ich hole meine Startnummer und stelle meine Sporttasche im Umkleideraum ab. Danach laufe ich noch eine Weile durch die Gegend um evtl. jemand vom LT  zu treffen. Monika H. begegnet mir als erste, sie ist etwas erkältet. Kurze Zeit später kommt auch Christine. Nach und nach treffen immer mehr Läuferinnen und Läufer vom LT ein. Manche kenne ich nur vom Sehen. Auch Tanja und Nadine mit denen ich beim LT oft zusammen gelaufen bin sind da. Ebenso Harald, Thomas, André, Monika B. und wie sie alle heissen. Einige bemerken ich sei sehr leicht bekleidet und müsse deshalb wohl schnell laufen. Ich bin wirklich leicht bekleidet und friere auch sobald die Sonne weg ist, aber ich wollte mich nicht warm anziehen damit ich während des Laufs nicht zu sehr ins Schwitzen komme. Harald macht noch ein paar Gruppenfotos von uns, dann laufe ich mich mit Monika B. warm. Nach zwei Runden auf der Bahn habe ich das Gefühl es reicht, ich brauche meine Kondition noch für den Lauf.

 

Kurze Zeit später versammeln sich alle Läufer(-innen) am Start. Nach dem Startschuss dauert es eine Weile bis sich das Feld auflöst. Ich sehe wie die vorderen Läufer schon loslaufen, während um mich herum noch alle dicht gedrängt stehen. Bald kommen wir schon im Schritttempo voran, dann im langsamen Laufschritt. Man muss jedoch aufpassen dass man niemand versehentlich ins Stolpern bringt bzw. selbst ins Stolpern kommt. Vom LT sehe ich niemand in meiner Nähe. Ich weiss nicht ob die Leute vor oder hinter mir sind. Wenige Minuten nach dem Start hat sich das Feld soweit aufgelöst, dass man sein eigenes Tempo laufen kann. Ich fühle mich fit. Durch die leichte Bekleidung wirkt der kühle Wind richtig motivierend. Bei der ersten 90° Kurve die sich noch auf freiem Gelände befindet sehe ich fast alle LäuferInnen vor mir. Ein phantastisches Bild. Ich schätze mich von der Position her im letzten Viertel, aber das ist gut so. Ich wollte ja nicht zu schnell loslaufen. Oft werde ich überholt oder überhole andere. Das erste bekannte Gesicht das ich seit dem Start sehe ist Melanie, die ich mit einem kurzen „Hallo“ überhole. Das Feld hat sich noch nicht auseinandergezogen. Erst als wir in den Wald kommen werden die Abstände größer.

 

Bald erreiche ich Monika H. die ja erkältet ist. Wir laufen kurze Zeit zusammen und wechseln ein paar Worte, ich merke jedoch dass ich etwas schneller bin als sie und laufe voraus. Kurze Zeit später geht es auf einem geraden stark geschotterten Weg an einem Entwässerungsgraben entlang. Bei den Vorbereitungsläufen fand ich dieses Stück furchtbar langweilig. Aber jetzt mit den vielen Läufer/-innen in allen verschiedenen Farben wirkt das ganze sehr aufgelockert. Bei vielen kann man aufgrund der Aufschriften auf ihrer Kleidung erkennen wo sie herkommen bzw. für wen sie starten. Nach einer Weile kommen wir in die Nähe des Oberwaldsees. Hier ist km 5 und damit die Hälfte der Strecke. Ich habe ein gutes Gefühl, denn bisher lief alles nach Plan. Ich weiss aber auch dass ich noch 5 km vor mir habe auf denen ich weiterhin meine Kräfte gut einteilen muss. An einer Abzweigung stehen Streckenposten die uns durch ihr Klatschen anfeuern.

 

Dann kommt der schlimmste Streckenabschnitt für mich. Fast 1 km auf geradem Schotterweg entlang der Schnellstrasse. Ich gehe mit dem Tempo langsam zurück, denn diese Strecke kostet mich psychisch Kraft. Zwischen km 6 und 7 überholt mich Christine F. mit einem kurzen „Hallo“. Ich versuche nicht mich „dran zu hängen“, weil ich dazu momentan nicht die Reserven habe. Ich will nicht schneller laufen als ich es auf Dauer kann. Christine verliere ich aber bis zum Ziel fast nie aus dem Blick, da sie nur wenig schneller läuft als ich. Endlich erreichen wir die Wasserwerkbrücke. Ich weiss dass jetzt ein attraktiver Abschnitt durch einen schönen Wald kommt. Ich werde schneller. Bald habe ich km 7 erreicht und das Gefühl dieses Tempo bis zum Ziel durchhalten zu können. Ein paar Läufer überholen mich. Einige davon überhole ich später wieder. Wir kommen vom Wald heraus auf das freie Feld. Der Sportplatz des TuS Rüpurr und damit das Ziel sind greifbar nahe. Ich weiss dass ich keine Kräfte mehr sparen muß und laufe zügig auf die Aschenbahn zu. Dort sehe ich wie Christine eine halbe Runde vor mir ins Ziel einläuft. Ich komme auf die Zielgerade und sehe wie die Digitaluhr ca. 53:50 anzeigt. Ich verschärfe mein Tempo um auf jeden Fall unter 54 min zu laufen und habe es meiner Meinung nach auch geschafft. Lt. Ergebnisliste waren es aber aus unerklärlichen Gründen nur 54:21 min. Aber ich bin froh, dass der Wettkampf für mich so gut gelaufen ist. Ich habe meine Kräfte besser eingeteilt als in den Vorbereitungsläufen.

 

Im Ziel angekommen sehe ich auch gleich Tanja und Nadine die trotz Schlafdefizit bzw. Blasen an den Füssen schneller waren als ich. Da mir ohne Bewegung doch etwas kalt ist gehe ich zum Duschen und Umziehen, versäume dadurch aber den Termin zum Gruppenfoto (das wirklich sehr gut geworden ist). Nach dem Umziehen gehe ich wieder zum Zielbereich und treffe dort fast alle anderen vom LT. Wir tauschen uns kurz über die Erlebnisse während des Laufs aus. André ist ganz glücklich über seine hervorragende Zeit. Harald macht noch ein Foto von mir und gehen beide gemeinsam in Richtung Eichelgartenhalle wo wir uns verabschieden. Entspannt und zufrieden über den Ablauf meines ersten Wettkampfs nach über 20 Jahren trete ich den Weg nach Hause an. Teilweise über die markierten Wege über die ich während des Wettkampfs gelaufen bin. Nun liegt der Lauf hinter mir und ich weiss dass es gut gelaufen ist !

 

Zum Schluss möchte ich mich bei meinen Freundinnen und Freuden des LT Karlsruhe sowie den Organisatoren und Helfern des Oberwaldlaufs recht herzlich bedanken dass sie mir dieses schöne Erlebnis ermöglicht haben.

 

 

Viele Grüsse

 

Paul F.

 

Anaud

Oberwaldlauf2007 Gruppe